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Handball-Rechte: BeInSports ist Geschichte

Handball-Rechte: BeInSports ist Geschichte
geschrieben von Philipp Ostsieker

BeInSports verliert seine Handball-Rechte. Nachfolger als Eigentümer und Vermarkter der kommende Europa- und Weltmeisterschaften wird die Agentur MP & Silva. Die Chancen, dass Fans die WM 2019 wieder im deutschen Free-TV sehen können, steigen damit.

Der katarische Sender BeInSports hatte zuletzt ein glückliches Händchen. Die Pay-TV-Gruppe hielt die internationalen Rechte an allen Handball-EMs und WMs. Dabei hatte die Gruppe insbesondere eigene Interessen im Auge. BeInSports verwertete die Handball-Rechte im eigenen Markt Frankreich im Pay-TV. Die Ausstrahlung via Satellit im Ausland, also zum Beispiel ARD oder ZDF sollte unbedingt verhindert werden. Das Ergebnis: Die Handball-WM 2015 wurde nur bei Sky gesendet.

Für die Handball-WM 2017 hatten Interessenten wie DAZN, Eurosport oder Sky keinen Zuschlag erhalten. Lange lief es auf eine Katastrophe hinaus. Überraschenderweise gab der DHB-Sponsor DKB kurz vor Turnierbeginn Bescheid, alle Spiele des DHB-Teams live zu streamen. Für die Übertragungen hatte die DKB eine eigene Microsite (handball.dkb.de) gelauncht, auf der der Livestream eingebunden wurde. YouTube setzte diesen Livestream als technischer Partner schließlich um.

DKB macht aus der Not eine Tugend

DKB-Vorstandsvorsitzender Stefan Unterlandstättner damals: „Als langjähriger Partner des Sports und des Handballs ist es uns ein Anliegen, dass die große Begeisterung für diese Sportart, aber auch für den Sport im Allgemeinen, in Deutschland bestehen bleibt und ausgebaut wird. Wir freuen uns deshalb sehr, allen Fans in Deutschland die Live-Übertragung von Spielen der Handball-WM nun garantieren zu können.“ Das ausführliche SPONSORs-Interview mit Stefan Unterlandstättner findet ihr hier.

Die DKB verhinderte nicht nur den TV-GAU, sondern realisierte einen der spannendsten Sportmarketing-Cases des Jahres. Für die Gesamtumsetzung war ein illustres Netzwerk an Unternehmen verantwortlich:

  • Beratung: Jung von Matt/sports
  • Rechtekauf: Lagardère Sports
  • Stream-Technik: YouTube
  • Channel-Management: Athletia Sports
  • Signalübertragung: Plazamedia
  • Website/Server: Amazon und Protofy

Die Zahlen ließen für den Stream ließen sich durchaus sehen. Die Livestreams erzielten im Schnitt rund 880.000 Abrufe. Das Auftaktspiel gegen Ungarn verfolgten 600.000 Zuschauer in der Spitze. Gegen Außenseiter Chile zum Beispiel sahen nur 486.000 Zuschauer zu. In der Spitze schauten beim letzten DHB-Spiel gegen Katar 1,05 Millionen Fans parallel zu. Auch Suchanfragen, Abonnenten- und Like-Zahlen für die DKB nahmen zu. Die Verantwortlichen durften durchaus zufrieden sein.

Dennoch entsprachen die Werte nur einem Bruchteil dessen, was man im Free-TV erreichen hätte können. Bei der EM 2016 hatte alleine das schwächste deutsche Vorrunden-Spiel durchschnittlich 3,8 Millionen Zuschauer erzielt.

Kurt Aimiller, Leiter Medienforschung bei SPORT1 erklärte: „Um die 500.000 Zuschauer ist sehr viel für einen Livestream. Eine Livestreamübertragung ist vergleichbar mit einer Übertragung im Pay-TV.“ Vier Millionen Zuschauer seien mit einem Livestream nicht zu erreichen, speziell nicht mit Handball: „Der durchschnittliche Handball-Zuschauer ist um die 50 bis 60 Jahre alt, die tun sich schwer mit dem Internet.“

Offenbar gab es letztlich eine Gruppe von 3,5 Millionen potentiellen Handball-Zuschauern, die die Spiele nicht sehen konnten oder wollten.

Handball-Rechte: MP & Silva übernimmt

Die aktuelle Rechteperiode endet mit der Frauen-Handball-WM 2017. Das Turnier wird vom 1. bis 17. Dezember stattfinden. BeInSports hat diese Handball-Rechte in Deutschland allerdings noch nicht verkaufen können.

Die großen Handball-Rechte gehen ab 2019 an die Agentur MP & Silva. Mit der Internationalen Handballföderation (IHF) hat die Agentur einen Vertrag über sechs Jahre bis 2025 abgeschlossen. Der finanzielle Umfang ist noch unklar. Vorgänger BeInSports hatte für die Handball-Rechte zwischen 2015 und 2017 unglaubliche 80 Millionen Euro gezahlt. Damit lag die Summe 40 Prozent höher als die des Zweithöchstbietenden. Für die neue Rechteperiode lag der Fokus aber offensichtlich auf der Situation in Frankreich und Deutschland.

Ob der neue Rechtehalter künftig Free-TV-Übertragungen der Weltmeisterschaften in Deutschland ermöglichen wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Immerhin wird die Männer-WM 2019 in Deutschland und Dänemark stattfinden.

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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Chefredakteur vom matchplan mag, Medienmanager (MBA) und Teilnehmer des General Management Programs in Sports Business an der SPOAC – Sports Business Academy by WHU.

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