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MLBAM, „the Biggest Media Company You’ve Never Heard Of“

MLBAM, "the Biggest Media Company You've Never Heard Of"
Pexels
geschrieben von Philipp Ostsieker

Spätestens seitdem die National Hockey League (NHL) damit begonnen hat, einige ihrer Begegnungen „draußen“ in den bekanntesten Stadien der Major League Baseball (MLB) auszutragen, haben die beiden Ligen ein gutes Verhältnis zueinander. Seit zwei Jahrem sind Baseball und Eishockey noch näher zusammen gerückt. Und dies ist nur eines von vielen erfolgreichen Beispielen, die MLB Advanced Media (MLBAM) vorangetrieben hat. Das Unternehmen gilt als einer spannendsten Player im Sportbusiness.

Genauer gesagt tritt hier allerdings gar nicht die MLB selbst, sondern ihr Tochterunternehmen, MLB Advanced Media (MLBAM), in den Vordergrund. Gestartet im Jahr 2000 als Kern von MLBAM, wurde MLB.com von 30 Klubs im Rahmen einer Vereinbarung jeweils mit jährlich einer Millionen Dollar vier Jahre lang finanziert – also 120 Millionen Euro Gesamtkosten.

Zur Freude der Eigentümer und der MLB begann die Website schon 2003 Überschüsse zu erzielen, so dass der Return on Investment schon bei 70 Millionen Euro erreicht werden konnte. Die 30 Klubs erhalten nun jährliche Dividende, in 2014 wurden diese auf ca. 7 bis 8 Millionen Dollar pro Klub beziffert.

Im Rahmen des Sechsjahresvertrags mit der NHL hat MLBAM nun die Distributionsrechte für alle sog. „Out-of-market“”-Spiele für insgesamt 600 Millionen Dollar erworben. Dies beinhaltet die Veröffentlichung über das NHL GameCenter LIVE, die NHL-Abo-Services in den USA sowie verschiedene internationale Märkte. MLBAM betreibt darüberhinaus NHL.com, inklusive aller fremdsprachigen Versionen sowie alle NHL-Klub-Websites.

MLBAM erreicht ungeahnte Höhen

NHL und MLBAM werden hinsichtlich Design und Entwicklung gemeinsam an neuen digitalen Produkten und Plattformen arbeiten. Die Klubs behalten dabei die inhaltliche Kontrolle über alle Kanäle. Das MLB Network bietet die Nutzung von Studios und Produktionsressourcen für das NHL Network zur Distribution in den USA sowie einigen internationalen Märkten. Zudem hält die NHL nun sieben bis zehn Prozent am MLBAM-Spin-Off „BAM Tech“.

It’s groundbreaking to have two leagues doing a rights deal. (John Collins, NHL COO)

Der Durchmarsch zum „Major Player“ innerhalb der Medienwelt wurde durch mehrere Schlüsselmomente geprägt:

  • Anbieter von Backend-Infrastruktur, um MLB-Spiele für Millionen von Nutzern streamen zu können
  • Anbieter von Authentifizierungsdiensten für ESPN
  • Whitelabel-Service für HBO Now und das WWE Network
  • Content-Einkauf, z.B. der digitalen Medienrechte der PGA für online und mobile

Gekrönt durch den NHL-Deal hat sich MLBAM sukzessive weiterentwickelt, um sich innerhalb der sportmedialen Branche als „Next Big Thing“ zu positionieren. Mit dem Spin-Off BAM Tech strebt man danach, das ESPN des digitalen Zeitalters zu werden und konkurriert künftig mit Unternehmen wie Hulu, Netflix oder Amazon.

Im August 2016 verkündete Disney, den Kauf von 33 Prozent der Anteile an BAMtech. Der Wert: eine Milliarde US-Dollar. Disney-CEO Bob Iger damals: „Wir denken, es ist ein gutes Investment. Wir lieben das Geschäftsmodell. Und wir denken, dass heutzutage die Fähigkeit, mit einem skalierenden Modell Live-Sport zu streamen ein notwendiger Wettbewerbsvorteil ist.“ Disney entschied sich im direkten Vergleich auch gegen den Kauf von Twitter.

Vor einem Jahr stimmte BAMTech zu, mindestens 300 Millionen US-Dollar für die exklusiven Streaming- und Monetarisierungs-Rechte an „League of Legends“-Wettbewerben zu zahlen.

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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Chefredakteur vom matchplan mag, Medienmanager (MBA) und Teilnehmer des General Management Programs in Sports Business an der SPOAC – Sports Business Academy by WHU.

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