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Neymar & PSG: Ein Best Case für das Sportmarketing?

Neymar & PSG: Ein Best Case für das Sportmarketing?
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geschrieben von Philipp Ostsieker

Der Multi-Millionen-Transfer von Neymar hat erhebliche Auswirkungen auf Paris Saint-Germain und den Spieler selbst. Experten für Sponsoring, Lizenzierung und Sportmarketing analysieren die Rekord-Ablösesumme.

Natürlich soll der Brasilianer PSG vor allem sportlich weiterhelfen. Da er als einer der weltbesten Fußballer gilt, muss über seine sportliche Qualität kaum diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen deshalb auch andere Themen:Trikotverkäufe, Bildrechte, Merchandise-Optionen.

Kann PSG die 222 Millionen Euro für Neymar dank neuer Umsätze kompensieren und mit Real Madrid & Co. konkurrieren? Und welche Kooperationsmöglichkeiten bieten sich PSG nach der außergewöhnlichen Investition?

Kelvin Gardner, Geschäftsführer der „Licensing Industry Merchandisers ‚Association“ sagte gegenüber campaign, alle Umsatzströme würden geschätzt werden, darunter auch Umsätze aus Bildrechten.

Wenn ein Top-Klub soviel Geld, inklusive Gehalt, in einen Spieler investiere, könne man darauf wetten, dass er alle Umsatzpotenziale betrachtet hat. Im Falle von Neymar würden die Bildrechte unweigerlich an den Verein lizenziert. Für den Verein ergeben sich viele Möglichkeiten, mit der Bildnutzung Geld zu verdienen. Dazu gehören etwa Werbeformate mit dem Team, Sponsoren-Pakete oder Medienpartnerschaften.

PSG auf einem Level mit Real & Barça?

Erwähnenswert sind auch die Bemühungen, die Marke PSG international zu etablieren. Wie auch etwa der FC Bayern versucht der Pariser Top-Klub, seine Merchandising-Verkäufe im asiatischen Raum anzutreiben. Eine Besonderheit vieler asiatischer Fans: Sie sind nicht besonders loyal zu ihrem Klub. Die Zuneigung kann mit sportlichem (Miss-)Erfolg oder dem Transfer eines Stars wechseln. Diese Einstellung unterscheidet sich stark von europäischen Fans. Im Ausland aber könnte PSG mit dank der Verpflichtung von Neymar sogar Fans des FC Barcelona abwerben.

Der Wille, diese Summe zu investieren, setze für viele ein starkes Signal. Bei asiatischen Fans stünde ein PSG-Trikot vermutlich nicht oben auf dem Wunschzettel. Ergänze man dieses aber mit „Neymar“, würde sich direkt einiges ändern. Kurzfristig würden die Trikot-Verkäufe profitieren. Langfristig fördere es den Stellenwert des Klubs.

PSG könne laut Misha Sehr deutlich profitieren. Der Vice-President of Sport and Entertainment bei MediaCom sagt: Stand jetzt existiere ein hoher Wettbewerb zwischen vielen Klubs, die für eine kleine Auswahl absoluter Weltklasse-Spielern bieten.

Es gebe immer mehr Kanäle, auf denen Fans Sportinhalte konsumieren können. Dafür hätten alle Menschen aber immer weniger Zeit. Für Klubs sei es noch nie so wichtig gewesen, einen USP zu bieten, mit dem sie Fans und auch Sponsoren ansprechen könnten. Ob und wann PSG die Rekordablöse einspielen könne? Unklar. Klar sei aber, dass der Transfer eine große Chance biete, um im Ansehen zu Real Madrid, Manchester United und, ironischerweise, auch dem FC Barcelona aufzuschließen.

Neymar: Kaum ein Spieler lässt sich besser vermarkten

Laut Dr Anna Semens, Head of Analytics bei Cake, lasse sich kaum ein Sportler so gut vermarkten wie Neymar. Gilette, Nike und Qatar Airways sind nur eine Auswahl der Marken, die mit Neymar werben.

Sein „Social Media Footprint“ wird bereits auf 160 Millionen beziffert. Das Interesse wird dank des Transfers eher zu- als abnehmen. Davon profitieren sowohl Neymar als auch PSG. Der Top-Star erzielt jetzt schon 60 Prozent seiner Einnahmen nur mit Endorsements. Mit erst 25 Jahren wird Neymar zum Eckpfeiler des Klubs – sowohl sportlich als auch für alle weiteren Maßnahmen.

Misha Sehr (Mediacom) glaubt auch, dass Neymars Umzug in eine kleinere Liga den Deal umso faszinierender mache. Unabhängig von der Ablöse übertreffe Neymars Umzug nach Paris Saint-Germain klassische Transfers. Es gebe einen politischen, kulturellen und kommerziellen Aspekt dieses Deals, wie wir es noch nie ganz gesehen hätten. Dass einer der wichtigsten Spieler der Welt bereit sei, in eine vergleichsweise unwichtigere Liga zu gehen, stelle einen unglaublichen Coup dar.

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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Chefredakteur vom Matchplan Mag

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