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„PLAY FAIR!“ (1/3): Welche Fußball-Regeln stehen zur Diskussion?

"PLAY FAIR!": Welche Regeln stehen zur Diskussion?
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geschrieben von Philipp Ostsieker

Bekommen die Fußballregeln bald ein umfangreiches Update? Das International Football Association Board (IFAB) stellt im Strategiepapier „PLAY FAIR!“ neue Fußball-Regeln zur Diskussion.

Das Experiment des IFAB beim Thema Video-Schiedsrichter ist geglückt. Dies hat den IFAB zu weiteren Verbesserungsinitiatven ermutigt. Das Ziel: die Fussballdebatte in enger Partnerschaft mit der FIFA durch die „PLAY FAIR!“-Strategie ausbauen. Diese soll das FIFA Fairplay-Programm ergänzen und verbessern, damit die Ideen zur Entwicklung des Spiels anhand seiner Regeln das widerspiegeln, „was der Fussball will“.

Die Strategie beinhaltet die folgenden Bausteine:

  • Verbesserung des Verhaltens & Erhöhen des Respekts
  • Erhöhung der effektiven Spielzeit
  • Steigerung von Fairness und Attraktivität

Der IFAB hat die Vorschläge in drei Phase eingeteilt:

  • „kann umgehend umgesetzt werden“
  • bereit für Testlauf/Experiment
  • Offen zur Diskussion

Im heutigen Beitrag betrachten wir alle Vorschläge, die „offen zur Diskussion“ stehen.

„PLAY FAIR!“ für besseres Verhalten & höheren Respekt

Das Verhalten von Spielern und Offiziellen, vor allem den Trainern muss sich verbessern. Dem Regelwerk sowie dem Schiedsrichter soll mehr Respekt entgegen gebracht werden. Es gibt einige Vorschläge, damit sich das Verhalten verbessert und der Respekt erhöht wird:

  • Handshake vor dem Spiel: Der Schiedsrichter geht direkt vor dem Anstoß in die Coaching-Zonen. Mit den beiden Trainern gibt es einen Handshake –  als Zeichen des Respekts.
  • Rote Karte für Ersatzspieler: Erhält ein Ersatzspieler eine rote Karte, wird die Anzahl der möglichen Einwechselspieler um einen reduziert. Falls das Team bereits alle Wechsel genutzt hat, könnte beim nächsten Spiel eine Einwechselung entfallen.

„PLAY FAIR!“ für eine höhere effektive Spielzeit

Viele Fans sind frustriert, dass in nur 60 von 90 Minuten effektiv gespielt wird. Die „Effective Playing Time“ (EPT) bezeichnet die Zeit, in der der Ball im Spiel ist. Die Strategie schlägt Maßnahmen vor, die Zeitspiel reduzieren und das Spiel beschleunigen:

Effektivere Spielzeit: Die Uhr wird bei Unterbrechungen sofort angehalten

Eine mögliche Methode ist, dass die Uhr jedes Mal stoppt, wenn der Ball nicht mehr im Spiel ist. Dies könnte auf verschiedene Arten Anwendung finden:

  • die letzten fünf Minuten der 1. Halbzeit und die letzten zehn Minuten der 2. Halbzeit – dies sind die Zeiträume, in denen die Spieler am liebsten „auf Zeit spielen“
  • das komplette Spiel – dies könnte bedeuten, dass die Spielzeit auf zwei Halbzeiten à 30 Minuten Nettospielzeit geändert wird. Solch eine radikale Veränderung würde bedeuten, dass es weniger Gründe gäbe, auf Zeit zu spielen. Zudem würde es bedeuten, dass jeder Klub in Wettbewerben die gleiche Nettospielzeit spielen müsste.

Laut einer Analyse des kicker betrug die durchschnittliche Netto-Spielzeit der Bundesligisten in der abgelaufenen Saison 56:05 Minuten.

Stadionuhren

Dort, wo im Stadion, die Zeit angezeigt wird, würde diese auch direkt angehalten werden. Zusätzlich könnte es eine direkte Verbindung zum Schiedsrichter oder vierten Offiziellen geben. Die Stadionuhr könnte dazu die zusätzliche Zeit anzeigen, die noch gespielt werden muss.

„Self-passing“ bei Freistößen, Eckstößen und Abstößen

Spielern ist es nicht erlaubt, den Ball nach einem Freistoß, Abstoß oder Eckstoß ein zweites Mal zu berühren. Mittlerweile werden Freistöße zumindest häufig sehr schnell ausgeführt. „PLAY FAIR!“ geht einen Schritt weiter. Das Offensivspiel würde profitieren, wenn der gefoulte Spieler etwa den Ball stoppt und dann sofort weiter dribbeln dürfte. Das Spiel würde damit beschleunigt werden.

Ein sich bewegender Ball beim Abstoß

Bei Abstößen sollen Spieler den Ball auch innerhalb des Strafraums annehmen dürfen. Bisher ist die Annahme nur außerhalb erlaubt. Ansonsten wird der Abstoß wiederholt.

Die Abstoß-Position

Der Abstoß muss auf der Seite erfolgen, wo der Ball auch ins Aus gegangen ist. Aktuell spielen Torhüter bei Abstöße oft auf Zeit. Einige sammeln an den Ball ein und gehen dann sehr langsam zur anderen Seite des Torraums hinüber.

„PLAY FAIR!“ für mehr Fairness & Attraktivität

Handspiel

Das Handspiel-Regel wird kontrovers diskutiert. Der Fußball würde von einer klareren und konsistenteren Definition und Auslegung profitieren.

So könnte das Thema Handspiel fairer gestaltet werden:

  • Spieler, die absichtlich ein Tor mit der Hand erzielen, sollten vom Platz gestellt werden. Denn ebenso werden Spieler vom Platz gestellt, die ein Tor mit der Hand verhindern.
  • Ein Torhüter, der absichtlich einen Pass oder Einwurf des Mitspielers aufnimmt, sollte mit einem Elfmeter bestraft werden. Aktuell ist die Strafe ein indirekter Freistoß.
  • Verhindert ein Spieler ein Tor mit der Hand auf der Torlinie, möchte „PLAY FAIR!“ dies als Tor werten.

Halbzeitpfiff und Schlusspfiff: nur, wenn der Ball aus dem Spiel ist

Manchmal pfeifen Schiedsrichter ab, während ein Team ein vielversprechenden Angriff einleitet. Zur Vermeidung könnte die Regel angepasst werden. Der Schiedsrichter dürfte eine Halbzeit nur abpfeifen, wenn der Ball nicht im Spiel wäre.

Elfmeter mit gleichen Einschränkungen wie beim Elfmeterschießen

Bei vielen Elfmetern laufen Spieler beider Teams, oft vor der Ausführung, in den Strafraum. Das nervt viele Fans. Die Spieler werden selten bestraft. Der Fokus der Schiedsrichter liegt meist auf dem Schützen und dem Torhüter.

So möchte „PLAY FAIR!“ das Problem lösen: Nur das Resultat des Elfmeterschusses zählt: Tor oder kein Tor. Etwaige Nachschüsse wären nicht möglich. Die Motivation, den Strafraum zu stürmen, wäre passé. Mögliche Ergänzung: Läuft ein angreifender Spieler vor Ausführung in den Strafraum, würde der Elfmeter als „vergeben“ gewertet werden. Läuft ein verteidigender Spieler hinein und der Elfmeter wird verschossen, würde der Strafstoß wiederholt werden.

Das komplette Strategie-Papier könnt ihr hier herunterladen.

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Über den Autor

Philipp Ostsieker

Philipp Ostsieker ist Gründer & Chefredakteur vom matchplan mag, Medienmanager (MBA) und Teilnehmer des General Management Programs in Sports Business an der SPOAC – Sports Business Academy by WHU.

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